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Bildungskrise

Pisa II: Deutschland schlechter als Durchschnitt

Ein zweites Pisa-Debakel scheint sich über Deutschland zusammenzubrauen: Nach Vorabveröffentlichungen von Ergebnissen der zweiten Pisa-Erhebung haben sich die deutschen 15-Jährigen nicht verbessert. In allen drei Teildisziplinen - Mathematik, Textverständnis und Lesen - landen sie wieder in der unteren Hälfte der Leistungstabelle.

Lehrer unterrichtet © dpa
Muss der Unterricht in Deutschland reformiert werden?
Deutschland, das Land der Dichter und Denker, scheint nun endgültig abgehängt. Nach den schlechten Ergebnissen der ersten Pisa-Studie schrillten in ganz Deutschland die Alarmglocken. Das Bildungsland schwankte zwischen Resignation und hektischem Reformismus. Doch nun, da die Ergebnisse der zweiten Erhebung durchgesickert sind, deutet sich ein Rückschlag an.

Denkernation auf den hinteren Rängen

Für die neue Studie waren im April und Mai des vergangenen Jahres an 220 deutschen Schulen jeweils 25 Schüler im Alter von 15 Jahren getestet worden. Insgesamt wurde der Test in 41 Nationen durchgeführt, 30 davon sind Mitgliedsstaaten der OECD, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. In den Tests sollten die Schüler jeweils in drei Teildisziplinen nachweisen, wie die Schule sie fürs Leben wappnet. Offiziell sollten die Ergebnisse erst am 7. Dezember vorgestellt werden, doch gaben Agenturen nun erste Zahlen bekannt. Demnach konnten sich die Deutschen lediglich im Teilbereich Mathematik - dem diesjährigen Schwerpunkt - um drei Plätze auf Rang 17 verbessern. Abgeschlagen bleiben sie jedoch in den Kernkompetenzen Lesen und Textverständnis, dort sollen sie nur auf Rang 20 gelandet sein.

"Quittung für richtungslose Werkelei"

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte die Kultusminister in scharfer Form und warf ihnen Konzeptionslosigkeit vor. Sollten sich die Ergebnisse bestätigen, sei das schlechte Abschneiden der deutschen Schüler die "Quittung für richtungslose Werkelei". In den 18 Monaten, die zwischen den Erhebungen lagen, sei genug Zeit für Sofortmaßnahmen in der Lehrerfortbildung gewesen, sowie für ein Lese- und Sprachförderprogramm in den Hauptschulen.

Schule ein zu "komplexes System" für schnelle Veränderung

KMK-Präsidentin Doris Ahnen © dpa
KMK-Präsidentin Doris Ahnen
Doris Ahnen, die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und SPD-Kultusministerin von Rheinland-Pfalz, wollte die von den Agenturen gemeldeten Ergebnisse weder bestätigen noch dementieren. Doch sie betonte, dass innerhalb der kurzen Zeit, die zwischen den beiden Studien lag, kaum gravierende Veränderungen möglich waren. Dazu sei Schule ein zu "komplexes System". Die Reformen für bundesweite Bildungsstandards zur Unterrichtsverbesserung waren zwar direkt nach der Veröffentlichung der Ergebnisse aus der ersten Pisa-Studie beschlossen worden, doch erst in diesem Jahr auf den Weg gebracht worden. Kaum einer der Experten hatte daher mit besseren Ergebnissen gerechnet.

Erfolg hängt vom Einkommen der Eltern ab

Dennoch sollten die erneut schlechten Ergebnisse alarmieren: In keinem anderen Industrieland hängen die Bildungschancen derart eng mit dem Einkommen der Eltern zusammen wie in Deutschland. So haben Migrantenkinder schlechtere Chancen auf einen höheren Abschluss.

Vorab-Veröffentlichung ist Vertragsbruch

Monika Hohlmeier © dpa
Bayerns Kultusministerin Monika Hohlmeier
Die bayerische Kultusministerin Monika Hohlmeier (CSU) überlegt unterdessen, zusammen mit ihren Kollegen aus den anderen Bundesländern einen Protestbrief an die OECD zu verfassen. Immerhin handele es sich bei der Vorabveröffentlichung um einen Vertragsbruch. Es war strengste Geheimhaltung der Daten vereinbart worden, bis sie am 7. Dezember schließlich offiziell bekannt gegeben werden. Hohlmeier betonte, das Vorgehen sei mehr als fragwürdig, wenn Einzelergebnisse aus dem Zusammenhang gerissen und zum Zweck einer politisch motivierten Kritik gezielt an die Öffentlichkeit gebracht würden.


 
 
 
Stand: 22.11.2004