Granada und die Alhambra
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Generalife muss drei Monate später (und ohne Menschenmassen) herrlich sein, denn dann blühen die Rosen und die vielen Blumenrabatten zwischen den Palästen. Jetzt sind nur ein paar Frühlingsblüher zu sehen. Die streng beschnittenen Hecken sehen unwirklich aus in ihrem fahlen, dunklen Grün. Wasserspiele im Nieselregen. Von der nahen Sierra Nevada ist nichts zu sehen. Ein Jammer. Trotzdem hat man von hier aus auch bei diesem Wetter eine sehr schöne Sicht auf den Burgberg der Alhambra.
Nach einer abgezirkelten Pinkelpause ist die Zeit gekommen, wo man uns in die Alhambra einlässt. Karenzzeit 30 Minuten, sonst ist die lange vorbestellte Eintrittskarte (12 Euro) ungültig. Eine herrliche Anlage, wenn man hier, wie früher der Emir der Nasriden, mit seinen Lieblingsfrauen alleine gelassen würde. Aber dem ist nicht so: Jedem Fotomotiv stehen Menschen im Wege oder der Durchgang ist gesperrt. Im Jahr 1492 - als Columbus Amerika entdeckte - hat das islamische Nasridenreich hier in der Alhambra von Granada, der ehemaligen Residenz der Mauren, vor den katholischen Königen Ferdinand von Österreich und Isabella von Spanien kapituliert. Die Alhambra war der letzte Stützpunkt der Mauren in Spanien. Mit ihrem Fall ist die Reconquista (Rückeroberung) Spaniens abgeschlossen. 700 Jahre arabische und maurische Besatzung sind zuende. Seitdem hat dieses Bauwerk eine wechselvolle Geschichte hinter sich und erst seit knapp 100 Jahren ist es in staatlichem Besitz und Pflege. Was ist hier Marmor und was Gips, was ist eine ursprüngliche, arabische Arbeit und was ist geschickt restauriert? Man sieht es nicht und man erfährt es nicht, sogar die Spanier wissen es nicht so genau. Klar ist immerhin, dass die Gesamtanlage von den Arabern nach 711 auf römischen Fundamenten errichtet wurde. Der Reiseführer preist die 'Gobelins aus Stein, die auf Mauern tanzenden Blumen und Sterne und immer wieder erscheint dazwischen der Name Allahs ...' Das ist wirklich beeindruckend, aber vieles ist deutlich sichtbar aus Gips - war das einmal im Original Marmor? Überall sind Bauschäden zu sehen, besonders durch Wasser. Es müsste hier offensichtlich wesentlich mehr restauriert und erhalten werden. Gerade jetzt im Winter ist die richtige Zeit dafür, aber es ist nicht ein Gerüst zu sehen. Nur der Löwenbrunnen wird gerade restauriert.
Die Alhambra ist wirklich beeindruckend. Aber in einer knappen Stunde kann man davon nicht viel sehen. Ausserdem nehmen die Emotionen im Regen offenbar nur die Hälfte wahr. Besonders die schneebedeckte Sierra Nevada gehört als Kulisse zur monumentalen Burg von Granada - und natürlich die Sonne!
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Sambo
Mambo Communications, Benalmadena, 26. Februar 007, 17:27
Berlin, 10. März
007